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Sicheres Chatten für Kinder
Teil 1 der Sommerserie zum Thema Chatten: Kinder lernen bei den Hamburger Radiofüchsen das Chatten kennen
Dienstag Nachmittag, 16 Uhr. Der Kinderchat der Hamburger Radiofüchse, dem interkulturellen Jugendradio, öffnet für zwei Stunden. Jede Woche chatten hier drei bis 15 Kinder, zwischen acht und zwölf Jahren sind sie meistens alt. Im Chat geht es um Freizeit, Hobbys, Schule, Sommerferien – viele verschiedene Smileys blinken auf. "Die Smileys probieren die Kinder besonders gerne aus", erzählt Sarah Reinhardt, die den Chat betreut und moderiert. Drei Moderatoren kümmern sich gleichzeitig um den Chat und sorgen für die Sicherheit der Kinder.
Die Moderatoren lesen nicht jeden Chatbeitrag vorher – wie es bei anderen Kinderchats der Fall ist - weil sie den Textfluss nicht verlangsamen wollen. Aber sie lesen alle Chatbeiträge mit und können sofort löschen. Oder Chatter verwarnen und sperren. Beleidigungen werden nicht geduldet, ebenso dürfen keine persönlichen Infos wie Nachname, Adresse oder Telefonnummer ausgetauscht werden.
Das steht in der Chatiquette, den Regeln für den Chat, den die Kinder selber mit entwickelt haben. Sarah Reinhardt ist es wichtig, dass die Kinder ein Gefühl dafür bekommen, "was für sie beim Chatten gut ist oder nicht, dass sie die Gefahren kennen und aufmerksam sind, trotzdem aber nicht den Spaß am Chatten verlieren." So achten die Kinder selber auf die Umgangsformen beim Chatten und verwarnen sich auch gegenseitig, wenn ein Chatter zum Beispiel jemanden beleidigt. Oder sie schreiben im Chat, dass sie die Frage nach dem Namen nicht beantworten dürften.
Beim Kinderchat der Radiofüchse chatten viele Kinder zum ersten Mal. Sie lernen, was ein guter Benutzername ist und was ein Passwort. Sie erfahren, wie chatten überhaupt funktioniert, was man dabei beachten muss und wo Gefahren lauern. Der Inhalt ist da oft eher nebensächlich, was auch mit dem Alter der Kinder zu tun hat, sagt Sarah Reinhardt, "das Chatten an sich steht im Vordergrund. Kinder wollen sich gerne mit dem Medium Chat auseinandersetzen, oft sind es jüngere Kinder, die mit dem Computer noch nicht so vertraut sind."
Chatten ist für die Kinder ein spannendes Kommunikationsmedium. Es ist schnell, interaktiv und macht Spaß. In Kinderchats lernen die Kinder das Chatten kennen, und können sich so später besser in den andern Chats zurecht finden, auch wenn diese nicht moderiert werden, es auf einmal mehrere Räume gibt und das Chat-Tempo höher ist.
Die KIM-Studie 2010 vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, die regelmäßig Medien im Alltag von Kindern zwischen sechs und 13 untersucht, hat ergeben, dass 34 Prozent der Kinder zwischen sechs und 13 mindestens einmal in der Woche chatten. Auch jüngere Kinder sind zunehmend mit dabei, 25 Prozent der Kinder zwischen sechs und neun nutzen mindestens einmal in der Woche Chatrooms.
Medienpädagogen empfehlen, dass sich Kinder nur in Kinderchats bewegen sollten – am Anfang am besten nicht allein. Gefahr im Chat besteht für Kinder durch gefährdende Inhalte und gefährdende Kontakte. Deswegen können in Kinderchats keine Dateien ausgetauscht werden und keine Daten wie Adressen oder Telefonnummern.
Einen sicheren Kinderchat zeichnet aus, dass er moderiert ist, für Kinder übersichtlich ist, dass man nicht Flüstern kann, also zu zweit chatten, ohne, dass jemand mitlesen kann. Wenn die Kinder Hilfe brauchen oder sich belästigt fühlen, sollten sie sofort einen Moderator erreichen können. Außerdem sollten die Chat-Regeln klar und einfach erklärt sein. Um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten, haben Kinderchats deswegen auch Öffnungszeiten. In manchen Chat mischen sich die Moderatoren auch aktiv in die Unterhaltung ein oder geben in Themenchats Themen vor.
Mehr und mehr verlagert sich das Chatten, vor allem bei den älteren Kindern und Jugendlichen, weg von Chat-Portalen zu den Chats der sozialen Netzwerke wie Facebook oder zu Messangern wie skype oder MSN, für die man ein Programm auf dem Computer installieren muss. Sarah Reinhardt unterstreicht damit, wie wichtig es ist, dass Kinder die Werkzeuge des Chattens rechtzeitig kennenlernen: "Chatten ist eine Form der Medienerziehung."
Der Chat der Hamburger Radiofüchse hat nun auch einen türkischen Chat eröffnet, in dem die Kinder auf türkisch chatten können – auch die Moderatoren sprechen Türkisch. Ein bislang deutschlandweit einzigartiges Projekt.
(ANNA POSTELS)
Mehr Informationen zum sicheren Chatten für Kinder:
Chatten ohne Risiko
Drei sichere Kinderchats:
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kindersache
(29.04.2013 14:46)
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