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Profilfoto Jennifer-Katharina

Nachwuchsfilmschaffende bei abgedreht: Jennifer-Katharina Adam

Vom 14. bis zum 15. Dezember 2017 findet das Nachwuchsfilmfestival abgedreht bereits zum 29. Mal in Hamburg statt. Junge Filmemacherinnen und -macher aus der Metropolregion Hamburg präsentieren Publikum und Jury ihre Nachwuchsproduktionen. Die besten Filme werden bei der Preisverleihung ausgezeichnet. Jennifer-Katharina Adam zeigt beim Festival die autobiografische Dokumentation ihres Alltags als Autistin. 

Stell dich doch mal kurz vor, wer bist du und was machst du?
Ich heiße Jennifer-Katharina Adam, bin 22 Jahre alt und komme aus Itzehoe und lebe zurzeit in Neumünster. Ich habe im Juni 2017 meine Ausbildung zur Verkäuferin bestanden. In dem Beruf habe ich leider keine Arbeitsstelle bekommen (aus verschiedenen Gründen) und mache zurzeit ein FSJ im Kindergarten. Im Herbst habe ich meine Jugenleitercard absolviert. Nebenbei mache ich noch Schauspiel für einen Jugendtheaterclub in Neumünster und schreibe meine Drehbücher weiter.

Mit welchem Film bist du beim abgedreht dabei und worum geht es?
Mit dem Film „Abenteuer Schreiben“. In dem Film geht es um mich und meine Geschichte und die Bedeutung des Schreibens für mich und mein Leben. Es geht darum, dass das Schreiben mir Kraft gibt und dass es mir hilft, zu zeigen, was ich draufhabe.

Erzähl uns etwas über den Hintergrund des Films!
Max Kaplan und Miriam Wendtland waren inspiriert von meiner Geschichte und wollten dieses in einem Film festhalten, damit auch andere inspiriert werden können. Ich habe mit 13 Jahren die Diagnose Autismus (Asperger Syndrom) bekommen. Meinen Autismus versuche ich in mein Schreiben und in meinem Schauspiel mit aufzunehmen. Max Kaplan hat mich dafür einen Essay schreiben lassen, den man dann filmisch untermalt hat.

Es handelt sich hierbei um eine hundertprozentig wahre Geschichte in Form eines Dokumentarfilms. Unser Film ist im Jugendfilmcamp Arendsee entstanden und von dort kam auch unser Team und unser Dozent Till Eitner, mit dem wir gemeinsam diese Idee umgesetzt haben. Herausforderungen waren unter anderen die ungewohnte Herangehweise, die ich so noch nicht gekannt habe (z. B. das Voiceover) und der knappe Zeitrahmen von einer Woche. Das Team habe ich da auch erst kennengelernt.

Wie wichtig ist es für dich, deinen Film beim abgedreht vor Publikum vorzustellen?
Den Film beim „abgedreht“ Filmfestival vorzustellen ist mir sehr wichtig. Ich möchte Leute animieren, Autisten so wie mich nicht abzuschieben und sie nicht in eine Schublade zu stecken. Nachwuchs-Filmfestivals bedeuten mir sehr viel, so kann ich zeigen, was alles in mir steckt, und was ich als Schauspielerin zeigen kann. Und dass Autisten auch schauspielern können.

Wenn du an deinen bisherigen Weg als Filmemacherin zurück denkst, was hat dich da besonders vorangebracht?
Vorangebracht hat mich auf jeden Fall das Jugendfilmcamp Arendsee und auch die Theaterstücke, die ich in der Schule oder in der Behindertenwerkstatt machen durfte. Das Schauspielern hat sich durch das Filmcamp Arendsee deutlich verbessert. Ich habe da viel gelernt und konnte davon schon viel umsetzen. Und beim Schreiben konnte ich durch alles, was mich vorangebracht hat, auch profitieren.

Hast du bereits an Filmworkshops du in der Schule, Hochschule oder außerhalb davon teilgenommen?
Im Kindergarten habe ich schon an einem Theaterstück teilgenommen und in der Schule auch, wo wir viele Stücke im Unterricht gespielt und vorgeführt haben. Das Theaterspielen im Kindergarten hat mir schon sehr früh gezeigt, dass mir das Schauspielern Spaß macht und ich es weitermachen möchte. In der Schule habe ich das dann weiter ausgebaut.

Das Schreiben von Theaterstücken/Filmdrehbücher fing dann auch schon in der Schule an. Des Weiteren habe ich in der Behindertenwerkstatt an der Theater-AG teilgenommen und habe auch immer sehr viel Lob für meine Auftritte bekommen. 2015 war ich das 1. Mal im Jugendfilmcamp Arendsee. Da war ich im Workshop Schauspiel dabei. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich wollte die nächsten Jahre immer wieder hin. In diesem Jahr war ich 2 Wochen da und in den 2 Wochen habe ich sehr viele Erfahrungen gesammelt. Ich bekam sehr viel lobende Worte und Bewunderungen, dass ich mit meiner Behinderung so umgehe und mich nicht untergehen lasse. Bis jetzt bin ich in den gesamten Filmcamps nur in den Workshops „Schauspiel“ gewesen und habe bis jetzt schon in vielen Filmen mitgemacht.

2016 ist auch noch ein Film über mich entstanden, der zeigt wie und was Asperger Syndrom (Autismus) ist und wie ich im persönlichen und sozialen Umfeld damit klar komme. Das hat mir auch sehr viel Kraft gegeben. 2015 bin ich dann noch zu dem Jugendtheaterclub Neumünster gestoßen, wo ich bei einem Auftritt bis jetzt dabei war.

In meiner Verkäufer-Ausbildung haben wir auch einen kleinen Film für eine Klassenarbeit gemacht. Die Erfahrung war auch sehr schön. In der Schule und den Jugendfilmcamp haben meine Lehrer, Mitschüler und Campteilnehmer vom Autismus gewusst, entweder durch meine Eltern oder mich. Es gab zu meinem Schauspiel und Schreiben bis jetzt nur positive Rückmeldungen und motivierende Worte, nicht aufzuhören. I

Wie geht's bei dir weiter, planst du gerade weitere Filmprojekte, willst du dich weiter professionalisieren?
Ich plane im Moment auf jeden Fall weitere Filmprojekte, bin auch am Schreiben einiger Drehbücher, die ich gerne verfilmen möchte. Auf jeden Fall werde ich das Schauspielern weiter machen im Jugendtheaterclub Neumünster und natürlich auch in meinem Filmen. Im Sommer versuche ich auf jeden Fall wieder für zwei Wochen ins Jugendfilmcamp Arendsee zu kommen, um meine Stärken da weiter zu verbessern. An meinem Traum, an eine Schauspielschule zu kommen, werde ich weiter festhalten und mich vielleicht auch mal an einer bewerben, um zu zeigen, was Autisten wirklich können.

Wir bedanken uns für das Interview!