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Kind mit 3D Stift in der Hand, fährt um seinen Finger

Heute mit Hugo: 3D-Druck

Eine Reportage über die medienpädagogische Arbeit in der Bücherhalle Fuhlsbüttel

Ein Mädchen ruft begeistert: „Mama soll auch einen Ring kriegen!“ Die Mutter schaut skeptisch. „Ist das nicht zu heiß?“, fragt sie ihre Tochter. „Nein“, sagt diese und schüttelt den Kopf. Ulrike Bohnsack, Fachangestellte für Medien und Information (Fami), kommt hinzu und erklärt ihr, dass das Mädchen zuvor ähnlich skeptisch war und sich dann aber überzeugen lassen hat. Es nimmt den 3D-Stift in die Hand, drückt einmal auf den Knopf und fährt mehrmals um den Finger der Mutter. Wiederholt drückt sie den Knopf und schaltet so den 3D-Stift aus. Das Material, welches aus dem Stift herausgleitet, wird hart und so zu einem Ring.

In der Bücherhalle Fuhlsbüttel findet jeden letzten Freitag im Monat findet hier die Veranstaltungsreihe „Heute mit Hugo“ jeden letzten Freitag im Monat unter der Leitung der Famis Ulrike Bohnsack und Joëlle-Marie Neven statt. Die Famis erklären: „Wir machen das Format bereits anderthalb Jahre und nutzen dafür unser Wissen aus den Fortbildungen vom Medienkompetenz-Cluster und der Kinderbuchwerkstatt.“ Die beiden Frauen sind sehr offen für neue Medienangebote und scheuen sich nicht davor, diese auszuprobieren und in ihre Bibliotheksarbeit zu integrieren.

Bei „Heute mit Hugo“ gibt es verschiedene Aktionen und Themen; es wird gelesen, gebastelt, gespielt und entdeckt. Die Inhalte werden möglichst abwechslungsreich ausgesucht: So kann es sich um Star Wars, die Kinderbuchfigur Grüffelo, Feste wie Ostern oder Halloween, Recycling, Zootiere oder, wie dieses Mal, um den 3D-Druck handeln. Oft ist es ein Mix aus Analogem und Digitalem.

Als die Inhalte für „Heute mit Hugo“ für dieses Jahr geplant wurden, wurden gerade die 3D-Stifte und ein 3D-Drucker von den Bücherhallen angeschafft. Da war Ulrike Bohnsack und Joëlle-Marie Neven direkt klar: Das wollen wir ausprobieren und verwenden! Sie sagen: „Wir selbst waren fasziniert von den Stiften und der Möglichkeit, dreidimensional ‚malen’ zu können.“ Gerade weil diese Stifte im Alltag eher unbekannt sind, sehen die beiden eine Chance, diese in einer Veranstaltung zu nutzen.

„Ich will auch eine Brille machen!“

Bei der Veranstaltung rund um den 3D-Druck kommen verschiedene 3D-Stifte zum Einsatz. Die 3Doodler Stifte werden maximal 40°C warm. Die Kinder können mit ihnen auf die Haut oder den Tisch malen. Dafür gibt es Vorlagen aus Silikon, es können aber auch eigene Ideen auf Papier gezeichnet und anschließend nachgefahren werden. Nach ersten Versuchen entstehen Sterne, Buchstaben, ganze Namen, Armbänder, Ringe und viele weitere schöne Motive.

Maskottchen Hugo, Schildkröte, mit Brille

Ein heiß begehrtes Motiv von den Kindern ist eine Brille, die heute auch das Maskottchen Hugo – eine Schildkröte – trägt. Die Kinder können mit anderen 3D-Stiften, die bis zu 200°C warm werden können, etwas filigraner arbeiten. Über die Papiervorlage wird eine Plastikfolie gelegt, um damit arbeiten zu können. „Der erste Brillenbügel ist fertig“, sagt ein Mädchen und möchte mit einer anderen Farbe weiterarbeiten. Sie tauscht sogleich den Stift mit einem Jungen, der gleich fertig geworden ist.

Weil die Stifte so heiß werden können, ist Vorsicht geboten. Deswegen müssen die Teilnehmenden mindestens acht Jahre alt sein, damit sich niemand aus Versehen die Finger verbrennt. Joëlle-Marie Neven erklärt: „Wir versuchen, die Veranstaltungen so zu konzipieren, dass sie für viele Altersgruppen interessant sind. Und je nach Thema legen wir dann auch die Altersgrenze fest. Bei der nächsten Veranstaltung geht es um den Grüffelo, daher ist die Altersgrenze dort für Kinder ab 4 Jahren auch recht niedrig.“

„Unser Ziel ist es, die Bücherhalle als Ort des Entdeckens, Staunens und Spaß-Habens zu etablieren“

Die Kinder arbeiten vergnügt mit den Stiften und gestalten eigene Motive und Gegenstände. So entsteht auch ein Haus. Sie wissen schnell, wann der Stift leer ist und verstehen rasch, wie man eine Nachfüllfarbe des Materials namens Filament auswechselt. Mit der Nutzung der 3D-Stifte werden spielerisch die Kreativität, die Medienkompetenz und das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt.

So bietet die Veranstaltungsreihe auch eine Plattform, um neue Technik, verschiedene Apps und digitale Medien auszuprobieren und mit diesen kreativ zu arbeiten. „Bei jeder Veranstaltung sollen die Kinder selbst aktiv werden können und etwas erschaffen. Wir möchten den Kindern die Möglichkeit geben, im geschützten Raum Technik kennenzulernen, diese auszuprobieren und mit Spaß etwas Neues zu entdecken“, erläutert Ulrike Bohnsack. Sie fährt fort: „Unser Ziel ist es, die Bücherhalle als Ort des Entdeckens, Staunens und Spaß-Habens zu etablieren.“

Medienbildung spielt in der Bibliotheksarbeit der beiden eine wichtige Rolle. Sie planen Veranstaltungen für das Sommerferienprogramm 53° und entwickeln Konzepte für Veranstaltungen mit Schulklassen und Kindergruppen. Weitere Ideen für die Zukunft sind die Umsetzung eines Escape Rooms und digitale Spielenachmittage mit verschiedenen Spielekonsolen sowie der Einsatz von VR-Brillen. Genau wie die Fami Anika Köhler aus dem letzten Teil der Reportagereihe reist Ulrike Bohnsack mit eigenen Kinderbuchwerkstatt-Veranstaltungen durch die Bücherhallen Hamburg.

Die Kinder hatten bei der Veranstaltung viel Spaß, auch für Ulrike Bohnsack und Joëlle-Marie Neven war es ein voller Erfolg. Das Mediennetz Hamburg bedankt sich für den Besuch und das Interview. 

Diese Veranstaltung ist eines von vielen Beispielen, wie Medienbildung in den Bücherhallen Hamburg stattfindet. Weitere Veranstaltungen und Projekte werden in den nächsten Teilen der Reportagereihe aufgegriffen.

Text und Fotos: Julia Albertsen

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