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Hamburger Filmschaffende beim up and coming 2019: Dean Martin Richards

Vom 21. bis 23. November 2019 findet das 15. Internationale Film Festival Hannover statt. Insgesamt 157 Filme aus 45 Ländern werden gezeigt. Mit dabei sind auch Filmschaffende aus Hamburg. Das Mediennetz Hamburg hat mit einigen von ihnen gesprochen - über das Filmemachen, Filmfestivals und ihren Weg.

Stell dich doch mal kurz vor, wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Dean Martin Richards, bin 24 Jahre alt und studiere seit Oktober 2016 Konzeption und Regie an der Medienakademie Hamburg. Seit Monaten schaffe ich es erfolgreich meine Bachelorarbeit in besagtem Studiengang vor mir herzuschieben, da ich damit noch bis 2024 Zeit habe und ich mich nach insgesamt knapp fünf Jahren Studium endlich mal wieder praktisch beschäftigen möchte. Das tue ich mit einem eigenen Podcast (der läuft sogar ganz okay!), und insgesamt drei Jobs als freier Angestellter: Genauer gesagt als Reporter/Regisseur bei einem kleinen Internet-Sender, als Redakteur/Moderator eines regionalen Radiosenders aus Hamburg und als Video-Creator eines Online-Magazins. Achja, und dann gibt es da natürlich noch das Filme machen!

Mit welchem Film bist du beim up and coming dabei und worum gehts?

"Der Tankwart - Volume 1" handelt von Sammy Davis Jr., einem Tankwart wider Willen, der eine Vergangenheit als Drogendealer hinter sich hat und nun nicht so ganz genau weiß wohin mit sich. Währenddessen trifft er in seinen unzähligen Nachtschichten an der Tankstelle auf die merkwürdigsten Gestalten, die das Leben eben so hergibt. Wie der Titel bereits vermuten lässt, soll es nach diesem Film mit der Geschichte definitiv weitergehen. Geplant ist eine ganze Serie daraus zu basteln. "Stoff" ist definitiv genug da.

Erzähl uns etwas über den Hintergrund des Films. 

Insgesamt habe ich selbst sechs Jahre lang an unterschiedlichen Tankstellen Deutschlands gearbeitet, und tue das als Aushilfe hier und da immer noch. Der Job war von Anfang an unfassbar spannend, und schon in meinem vorigen Studium der Geschichte und Germanistik an der TU Braunschweig gab es Überlegungen meinerseits, sämtliche Ergebnisse meiner Tag- und Nachtschichten zu verschriftlichen und irgendwann zu veröffentlichen.

Nachdem ich Anfang 2016 ohne Abschluss so halb aus der Uni rausgeworfen wurde, sind schon viele Geschichten aus der Tankstelle zusammengekommen. Relativ planlos bewarb ich mich an der Medienakademie Hamburg, und anstatt eines "richtigen" Buches werden nach und nach Drehbücher aus über 100 Seiten Tankstellen-Geschichten, die ich nun in der geplanten Serie und aktuell bereits in meinem Podcast verarbeite.

Hinter der Kamera befanden sich insgesamt nur vier Leute: Dino Stahl, Christian Goes und Paul Roloff. Ebenso wie den Darstellern bin ich unfassbar dankbar für ihre Leistung, gerade da die Dreharbeiten recht eigenwillig waren.

Als wir in der kleinen Tankstelle im Herzen Harburgs gedreht haben, lief das normale Tankstellen-Geschäft parallel weiter. Soll heißen: An Kasse 2 durften wir zwischen 22 Uhr und 4 Uhr morgens unseren Film drehen, sofern kein Kunde im Laden zu sehen war, während an Kasse 1 der Tankwart Henning seinem normalen Job nachging. Danke auch nochmal an dich und deine geilen Schoko-Croissants!

Wie wichtig ist es für dich, deinen Film beim uac vor Publikum vorzustellen? 

Es ist das erste Mal für mich bei so einem großen Festival und ich bin dementsprechend nervös. Festivals im Allgemeinen kann ich um ehrlich zu sein gar nicht so viel abgewinnen, was aber nicht an den Festivals selbst liegt, sondern an der allgemeinen Struktur des deutschen Medienbereichs, und natürlich an meiner Meinung und mir. Die Diskussion an sich würde den Rahmen dieses angedachten Textes vermutlich sprengen.

Nichtsdestotrotz freut mich die Nominierung des uacs ungemein, keine Frage! An dieser Stelle auch nochmal vielen Dank an Burkhard für seine fürsorgliche Betreuung! Auf das up and coming selbst bin ich sehr gespannt, und hoffe dort eine Menge lernen zu können. Da ich mich in Sachen Comedy versuchen möchte (und auch über Humor meine Bachelorarbeit in der fernen Zukunft des Jahres 2024 schreiben will),  wird man mich während der Vorstellung des Tankwarts vermutlich in der letzten Reihe mit meinem kleinen Notizheft sehen, um herauszufinden an welchen Stellen der Saal (hoffentlich) hier und da mal Lachen wird.

Wenn du an deinen bisherigen Weg als Filmemacher/in zurückdenkst, was hat dich da besonders vorangebracht? 

Die vermutlich lehrreichsten Stunden in Sachen Filme machen waren für mich persönlich wohl die Praktischen. Soll heißen: Selbst Dinge auszuprobieren und daran zu arbeiten, um anschließend zu sehen was funktioniert, und was nicht.

Selbstverständlich gehört auch eine große Portion Theorie dazu, doch wie beim Führerschein ist es noch einmal was ganz anderes am Ende selbst hinter dem Steuer zu sitzen, als einfach nur im Unterricht. Für die grundsätzliche Theorie hat meine Hochschule in Hamburg gesorgt, während die meisten praktischen Erfahrungen eher nebenher entstanden sind und höchstens indirekt mit der Medienakademie zu tun hatten.

Uns interessiert, woran du im Bereich der Medien-/Filmförderung teilgenommen hast. 

Tut mir Leid, dass diese Antwort so langweilig ausfällt, allerdings habe ich noch nie an irgendwas in irgendeinem Bereich der Medien-/Filmförderung teilgenommen. Obwohl! Gemeinsam mit meinem Kollegen Dino Stahl habe ich mal mit einem anderen Film einen ganz kleinen Preis bei einem noch kleineren Festival in einem noch viel kleineren Dorf gewonnen: Eine frühe Vorversion des Tankwarts hat mal den 1. Platz beim "Unschärfe Filmfest" in Uetersen gemacht, allerdings ist das Unschärfe Filmfest eher ein jährliches Zusammentreffen befreundeter Hobby-Filmemacher, als ein Programm zur Medien-/Filmförderung.

Was hättest du dir als Unterstützung auf deinem Weg Filmemacher noch gewünscht?  

Um ehrlich zu sein tue ich mich mit dieser Antwort schwer. Ich habe keine großen Erwartungen und auch keine großen Bedürfnisse der Medienwelt in puncto Unterstützung von Außen.  

Vielmehr habe ich Lust darauf selbst etwas zu erschaffen und irgendwann einfach meine eigene Serie o.ä. produzieren zu können, ohne mich anderweitig finanziell über Wasser halten zu müssen.

Solange alle Menschen, mit denen ich in dieser Hinsicht zu tun habe, bei der Sache Spaß haben und motiviert sind, ist für mich eigentlich alles cool.

Wie geht's bei dir weiter, planst du gerade weitere Filmprojekte, willst du dich weiter professionalisieren im Bereich Film?

Wie eingangs erwähnt sind definitiv weitere Episoden des Tankwarts in Planung. Zum Zeitpunkt des up and comings sind die Drehbücher für die Folgen 2 und 3 bereits fertig, und für die Folgen 4 bis 6 stehen immerhin die dramaturgischen und konzeptionellen Grundstrukturen weitestgehend fest. Gedreht wird (hoffentlich) wieder im Jahr 2020! Abgesehen davon gibt es da noch eine Idee für einen Spielfilm, die ich in den nächsten Jahren gerne mal angehen würde. Wie auch die Episoden des Tankwarts soll es in die Comedy-Richtung gehen, und auch dafür sind bereits Vorkehrungen getroffen. Eine der schwierigsten Fragen ist aktuell die nach einem passenden Namen für den Film. In der engeren Wahl stehen nur noch "Gummi" oder "Nachgeburt". Oder vielleicht auch beides?

Vielen Dank für das Interview und viel Spaß und Erfolg beim Festival!